Vor Beginn erklang «Lasst die Herzen immer fröhlich und mit Dank erfüllet sein» – ein Kinderlied, das doppelt passte: zum Bettag und zur Taufe von Stella. Chor und Orchester begleiteten den ganzen Gottesdienst mit Dankesliedern.
Zugrunde lag ein Psalmwort: «Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk» (Psalm 19,2). Wie dieser Satz an diesem Morgen aufgehen würde, zeigte sich erst am Schluss.
Ein Tag des Friedens und der Dankbarkeit
Der Vorsteher ging zunächst der Herkunft dieses Feiertages nach: gedacht als Tag des Friedens, als Aufforderung, den Andersdenkenden zu achten und dem Frieden nachzugehen. In einer Welt, der es an Frieden fehlt, habe dieser Gedanke eine besondere Aktualität und fordere zum Handeln auf.
Und er sei ein Danktag. Ein Blick auf den Altar genüge: Was die Natur hervorbringt, dürfe man dankbar annehmen – selbstverständlich sei es nicht. Niemand habe entschieden, wann und wohin er geboren wurde, welche Erziehung und welche Gaben ihm mitgegeben wurden; alles sei ins Leben hineingelegt. Wofür der Mensch aber etwas könne, sei das, was er daraus macht.
Der Mensch als Standbild Gottes
Von der Schöpfung kam der Vorsteher auf einen Satz vom Anfang der Bibel: Gott schuf den Menschen zu seinem Bild. Das hebräische Wort meine nicht Spiegelbild, sondern Standbild. In der antiken Welt liess ein Herrscher in den Städten seines Reiches Standbilder aufstellen, damit alle wussten, wer das Sagen hat.
Wenn Gott den Menschen als sein Bild in die Schöpfung stellt, heisst das: Der Mensch vertritt ihn. Die Erde ist der Menschheit anvertraut – nicht als Ressource, sondern als Lebensraum, der auch kommende Generationen tragen soll.
Verantwortung für die Schöpfung
Die Bilanz der letzten Jahrzehnte sehe nicht gut aus: Vieles, was der Mensch entdeckt hat, lasse sich zum Guten wie zum Schlechten wenden – von der Kernenergie bis zu den sozialen Medien und der sogenannten künstlichen Intelligenz. Gerade jetzt komme es darauf an, wie die Menschheit ihre Verantwortung wahrnimmt.
Umkehr heisst Zuwendung
Busse sei ein altes Wort, mit dem heute kaum jemand etwas anfangen könne, sagte der Vorsteher. Gemeint sei Umkehr: sich dem Neuen zuwenden – und dem Alten damit von selbst den Rücken kehren. Er erinnerte an die Pfingstpredigt des Petrus, die Geburtsstunde der Gemeinde: Den Zuhörern sei die Botschaft durchs Herz gegangen, und sie hätten gefragt, was sie tun sollen. Die Antwort war Umkehr und Taufe – Tausende taten es, nicht aus Zwang, sondern aus Freude und aus der alles verändernden Begegnung mit dem Evangelium.
Gott ist kein Kritiker
Beim Predigtbeitrag eines Priesters ging es auch um die Dankbarkeit. Er lenkte den Blick auf all das, was wir erhalten, oft ohne es zu bemerken. Dankbarkeit sei weniger eine Frage der Umstände als eine Einstellungssache. Kinder lernten zuerst «bitte» und «danke» zu sagen.
Und er räumte mit einem Bild auf und betonte, dass Gott kein Kritiker sei. Er schaue den Menschen mit Liebe an und nehme ihn, wie er ist. Viel Leid habe seine Ursache darin, dass Menschen sich nicht angenommen fühlen. Im Taufbund schliesse der Mensch seinerseits den Bund mit Gott.
Stella, der Stern
Dann kamen die Kinder nach vorn, begleitet vom Orchester. Jedes legte etwas an den Altar und ergänzte die Erntegaben – bis hin zu einem selbstgemachten Butterzopf.
Zur Taufe erklang «Abba Father». Die Handlung hielt der Vorsteher – mehrheitlich auf Englisch, mit Rücksicht auf die Mutter. Zuvor erzählte er die Geschichte hinter dem Namen.
Drei Namen standen zur Auswahl: Stella, Libuša und Adriana. Am Sonntagmorgen nach der Geburt besuchte der Vater den Gottesdienst in einer nahegelegenen Gemeinde. Schon im Eingangsgebet nahm der Priester völlig unvermittelt Bezug auf die Sterne. Für den Vater war das mehr als ein schöner Zufall – ein leiser Hinweis vom Himmel und zugleich die Antwort auf die offene Frage: Sie soll Stella heissen.
Und es blieb nicht dabei. Im selben Gottesdienst musizierten Orchester und Chor «Dona nobis pacem» – das Lieblingslied seiner Grossmutter, das in der Familie jeweils an Weihnachten gesungen wurde. So verbanden sich für ihn die Geburt seiner Tochter und eine Verbundenheit über die Generationen hinweg, bis hinein in die Ewigkeit. Stella – lateinisch für Stern.
Du gehörst dazu
Gott kenne dieses Kind und sehe es, sagte der Vorsteher. Mit der Taufe beginne etwas Neues: die Aufnahme in die Kirche Christi. Leicht werde deshalb nicht alles; es werde Momente geben, in denen sie an sich zweifle. Wichtig sei, dass sie weiss: Ich gehöre zu Christus, ich bin nicht allein. Ob fröhlich oder traurig, ob ihr Fehler unterlaufen – Gott wende sich nicht ab, und ihre Eltern auch nicht. Nach dem Gelöbnis der Eltern und der Taufhandlung hielt Stella die Hand des Vorstehers fest – als hätte sie die Bedeutung dieses Tages genau verstanden.
Mit dem Taufzeugnis erhielt die Familie die Taufkerze, auf der Stellas Psalmwort steht: «Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich begleiten auf allen deinen Wegen» (Psalm 91,11).
Nach dem Heiligen Abendmahl für die Gemeinde klang der Gottesdienst mit «Danket dem Herrn» aus – und endete damit dort, wo er begonnen hatte: beim Dank.
Text: Simone Töllner
Fotos: Roland Waller